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Kritik

Kritische Stimmen behaupten ...

Meine magischen Momente: Kritik - Wie sag ich’s meinem Kinde?

Vielleicht werden Sie jetzt denken, wie kann „Kritik“ zu meinen magischen Momenten im Alltag zählen? Sie kann!

Wir erleben Kritik meist als etwas Negatives, weil sie auch meist „wertet“, bewertet. Da sie aber  lediglich einen bestimmten Maßstab für eine Bewertung darstellt, kann sie sowohl positiv als auch negativ sein, vor allen Dingen, weil sie wertneutral ist und auch sein sollte. Dass es so ist, sehe ich besonders bei Kritiken aus dem kulturellen Bereich. Dort spricht man von „guten“ und „schlechten“ Kritiken: z.B. beim Theater, Film, Literatur etc.
Wenn ich es genau überlege, dann wird gerade im  zwischenmenschlichen Bereich, sowohl privat als auch beruflich, Kritik meist als negativ erlebt. Warum? Weil sie sich nicht mit dem WAS, also mit dem Inhalt, sondern meist mit dem WIE also dem Verhalten beschäftigt und somit als persönlicher Angriff gesehen wird. Wenn in diesem Bereich, also im Zusammenleben, etwas Positives geäußert wird, dann spricht man eher von Lob.  So sorgt negative Kritik häufig dafür, dass der Kritisierte die Kritik blockiert und eher noch dagegen ankämpft, als den Inhalt der Kritik für sich zu prüfen, ob sie vielleicht doch sinnvoll ist.

Weil es so überaus schwierig ist in der Kommunikation von Kritik zu sprechen, heißt es dort dann so schön: wir geben Feedback – also eine Rückmeldung zu dem, was wir wahrgenommen haben. Kennt jeder, weil sicherlich schon häufig in Seminaren so erlebt und erfahren. Will ich also im zwischenmenschlichen Bereich Dinge ansprechen, die mich stören oder denen ich kritisch gegenüber stehe, dann spreche ich davon, wie ICH diese Situation wahrnehme. So fühlt sich der Angesprochene nicht so leicht in die Enge getrieben und kann sich entsprechend erklären. Auch hier, der Ton macht die Musik. Feedback ist somit wertneutral anders als Kritik, die meist sehr „strafend“  bewertet und eher endgültig daher kommt. Wenn ich also in Zukunft Kritik üben möchte oder muss, dann überlege ich mir vorher, ob ich das WAS oder das WIE ansprechen möchte. Gelingt es mir dann im privaten oder beruflichen Bereich einen kritischen Punkt so anzusprechen, dass es zu einem wirklich klärenden Gespräch kommt, dann ist das für mich ein sehr magischer Moment, denn dann ist es mir gelungen, meinem Gegenüber ohne Vorwurf zu sagen, was mir vielleicht missfallen oder was mich gerade geärgert hat. Trägt doch zur besseren Verständigung bei, oder?

Bis nächste Woche herzlichst Ihre Johanna Frank

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